FDP verteidigt Freiheit der Hochschulen

(Dortmund) Im letzten Teil des „chromatographischen Diskurses“ (Moderator Thomas B.) stellte sich die FDP dem Debattierklub, dessen Vertreter zur Abwechslung mal als Regierung die Abschaffung des Hochschulfreiheitsgesetzes (HFG) forderten. Die „Zimmer-frei-Frage“ vor der Debatte zeigte, dass die große Mehrheit des Publikums gegen das HFG war.

2010_02_02-DeBaDo_vs_FDP_004_1Was sich Hochschulfreiheitsgesetz schimpfe, sei ein Ungetüm, das die Freiheit von Forschung und Lehre bedrohe, stellte der Regierungssprecher Tobias R. in den Raum. Durch den neuen Hochschulrat werde die Hochschule mehrheitlich von Uni-Fremden bestimmt; dem Rat mangele es an Legitima2010_02_02-DeBaDo_vs_FDP_009_1tion, Kontrolle und Transparenz.  Der Eröffnungsredner der Opposition Lars Rettstadt (Arzt, Dortmunder Ratsherr und stellv. Vorsitzender der FDP in Dortmund) legte in seiner ruhigen Art dar, dass die Uni früher unter kaputten Hörsälen, zu vielen Studenten und der Fachaufsicht aus dem fernen Düsseldorf gelitten habe, während die TU nun ein selbstbestimmter Arbeitgeber sei.

Henning B., Ergänzungsredner der Regierung, brachte das HFG auf die Formel: „Mehr Freizeit für den Minister statt mehr Freiheit für die Hochschulen.“ Wenn das Land mit dem Hochschulrat Leistungsvereinbarungen abschließe, dann bedeute das Geldkürzungen für die Uni bei Nichterfüllung. Das sei Fachaufsicht durch die Hintertür. Außerdem wären die Selbstverwaltungsgremien dann gar nicht mehr an der Ausrichtung der Hochschule beteiligt. Landeszuweisungen seien auch an die Einwerbung von Drittmitteln gekoppelt. Es lohnten sich nur noch Fächer, die sich verkaufen ließen, und keine Grundlagenforschung mehr, die das Risiko des Scheiterns beinhalte. 2010_02_02-DeBaDo_vs_FDP_006_1Oppositionsergänzungsredner Maximilian Kreipe (Raumplanungsstudent und im Vorstand der Dortmunder JuLis) erklärte die Ungleichverteilung der Mittel: Die großen Maschinen würden eben viel kosten, die Lehrämter hätten dagegen kein „Atommagnetdingsbums“. Er erklärte den Wirtschaftkreislauf so: Innovation schaffe Vermarktung, dadurch wachse die Wirtschaft, was die Steuereinnahmen erhöhe, mit denen wiederum die Hochschulen finanziert würden. Die Lehrämter seien noch nicht abgeschafft (höhnisches Gelächter im Publikum) und würden es auch nicht. Philosophie sei ein Luxusgut, das man mit den erwirtschafteten Geldern finanziere.

Der lebhafte und gewohnt angriffslustige Regierungsschlussredner Markus K. warf der Opposition vor, das Modell FDP sei nur Markt und Wettbewerb. „Sie wollen dem Land der Dichter und Denker die Wurzeln abschneiden!- Hätten Sie Debattieren im HFG aufgenommen, hätten wir vielleicht zugestimmt.“ Der Hochschulrat sei ein Gremium externer Günstlinge, in dem die Chefs von WAZ, Thyssen und Signal-Iduna säßen. Diese würden nicht in Haftung genommen; Ulrich Reitz sitze nicht auf der Treppe des überfüllten Hörsaals. Die Rede endete so fulminant, wie sie angefangen hatte: „Hier läuft was falsch im Lande NRW. Nieder mit dem Hochschulfreiheitsgesetz!“ Der Oppositionsschlussredner Marc Hövermann (Kreisvorsitzender der JuLis Dortmund) sagte, er studiere auch eine Geisteswissenschaft, nämlich BWL (zweifelnde Zwischenrufe aus dem Publikum, ob BWL eine Geisteswissenschaft sei). Dort gebe es den Begriff der Betriebsblindheit. Es bedürfe auch der Sicht von außen.

2010_01_28-DeBaDo_vs_Piratenpartei_043_1Dazu passen die einleitenden Worte des Moderators Thomas B. „Cicero hat gesagt ‚Reden lernt man beim Reden.‘ Strukturiertes und überzeugendes Reden lernt man beim Debattierklub.“ Vom Publikum hatte sich zwar kaum jemand von den Argumenten der jeweils anderen Seite überzeugen lassen, dafür spendete es aber reichlich Applaus für eine sehr unterhaltsame Debatte.

Bericht: Jens Schulze

Fotos © by Cesare Foltin.