Heut steht die A40 still

…wenn die Kraft des Worts es will

(Bochum) Auf Einladung des Debattierclubs Münster beteiligte DebaDo sich heute auf der A40, Höhe Bochum-Stahlhausen an einer Showdebatte der exklusiveren Art. …an einer Showdebatte? Nein: Mag es am aktiven Publikum gelegen haben („Jawohl!“ – „So ein Unsinn.“), an der intensiven Sonne oder schlicht an unser aller Debattiergeilheit, es wurden drei Showdebatten! Der sogenannte „Ruhrschnellweg“ war heute für die Aktion „Still-Leben“ zwischen Duisburg und Dortmund komplett für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt und wurde stattdessen von Fußgängern und Radfahrern bevölkert.

Angesichts der vielen Angebote an den gut 20.000 Tischen fragten der DC Münster und DebaDo: „Ist dat Kunst oder muss dat wech?“. – Mit diesem Thema war nicht nur ein Bezug zu Still-Leben-Aktion gegeben, sondern die Debattierer griffen auch ihre direkte Nachbarschaft auf, teilte man sich doch einen Tisch mit dem „Archiv des Nichts“, dessen Aktivisten gern mal Kunst für andere schauen.

Das Thema der zweiten Debatte lautete nicht wenig lokalpatriotisch „Sollen die Städte des Ruhrgebiets zur Metropole Ruhr zusammengefasst werden?“ Lukas H. und Katharina R. dachten dies gleich konsequent zu Ende und verkündeten, ein siebzehntes Bundesland mit Bochum als Hauptstadt schaffen zu wollen, welches auf sofortige Zustimmung der Schaulustigen stieß („Herne muss auch dabei.“). Aber die Opposition gab alles, um die kommunale Identität der Ruhris zu retten (Gerrit G.: „Dortmund und Essen regiert aus Bochum? Das geht nicht. Das klappt ja schon bei Wattenscheid nicht richtig.“).

Nach einer kleinen musikalisch angenehmen Abwechslung des benachbarten Orchesters, nutzten anschließend Besucher wieder die Möglichkeit, in den Genuss besonderer Redekunst zu gelangen: Wo sich sonst Autofahrer streiten, debattierten Münster und Dortmund in der dritten Debatte über alternative Fortbewegungsmöglichkeiten: „Soll die Klimaanlage in ICEs grundsätzlich ausgeschaltet bleiben?“ Während sich die prüde Opposition um das ästhetische Wohlbefinden mancher Fahrgäste sorgte, sprachen nach Regierungsmeinung der Gesundheitsschutz, der Umweltschutz und das Bedürfnis zur nach offener, freier Liebe für den Saunaexpress.

Insgesamt erlebten alle Debattierer und viele Besucher eine recht unterhaltsame Zeit zwischen Mittelleitplanke und Seitenstreifen. DebaDo bedankt sich ganz herzlich für diese vorzügliche Idee der Münsteraner Debattierer.
(Fotos Tabea Kierspel)