Regeln

Warum Regeln für das Debattieren?

Wettstreit zwischen PRO (Regierung) und CONTRA (Opposition)

Die Einführung von Regeln hat den Zweck, gleiche Bedingungen für alle Teilnehmer der Debatte zu schaffen. Daher ist einer der wichtigsten Punkte im Regelwerk die Frage, wer wann und wie lange sprechen darf. Darüber hinaus sind den einzelnen Debattanten unterschiedliche Rollen in ihrem Team zugedacht, um die Debatte zu strukturieren und für den Zuhörer interessant zu gestalten. Nicht zuletzt die Ausrichtung von Debattier-Turnieren macht ein Regelwerk, an dem sich alle Teams orientieren können, unerlässlich.

In Deutschland existieren im Wesentlichen zwei Regelwerke, so genannte Debattierformate. Dies ist zum einen die Offene Parlamentarische Debatte (OPD) , bei der zwei Dreier-Teams und bis zu drei fraktionsfreie Redner aufeinander treffen und zum anderen die British Parliamentary Style (BPS) bei der insgesamt vier Zweier-Teams antreten. Beiden Formaten ist gemeinsam, dass es Vertreter auf der PRO sowie auf der CONTRA-Seite gibt. Da die historischen Wurzeln des Debattierens, in der politischen Debatte liegen, spricht man auch bei der PRO-Seite von Regierung (government) und bei der CONTRA-Seite von Opposition. Dies bedeutet nicht, dass sich die Debattierenden mit bestimmten Parteien oder Personen des aktuellen politischen Geschehens identifizieren. Vielmehr ist es so, dass den Teilnehmern vor der Debatte ihre Position per Losentscheid zukommt. Nicht selten steht man daher vor der Herausforderung, gegen seine eigene persönliche Meinung argumentieren zu müssen. Aber das macht die Sache erst richtig reizvoll. Jede Debatte wird von einem Präsidenten geleitet, der auf die Einhaltung der Regeln achtet. Debattierer sind stets daran interessiert, rhetorischen Fähigkeiten zu verbessern. Deshalb haben neben den Rednern selbst Juroren eine wichtige Funktion. Sie geben am Ende der Debatte ein Feedback zu den Leistungen der einzelnen Redner. Dabei wird neben dem inhaltlichen Aspekt auf die Logik der Argumente, auf die Gestik, Mimik und Sprache aber auch auf den Publikumskontakt Wert gelegt. Bei Turnieren ergeben sich daraus die Wertungen und somit die immer wieder spannende Entscheidung, wer den besten Redner bzw. das beste Team gestellt hat. Letzteres ist beim Debattieren entscheidend, denn eine Ansammlung von Einzelrednern macht noch lange kein gutes Team aus. In den Aufgaben der einzelnen Team-Mitglieder unterscheiden sich dann auch die Debattierformate, die im Folgenden kurz vorgestellt werden.

Das OPD-Format

Das OPD-Format

Bei der Offenen Parlamentarischen Debatte treten zwei Dreier-Teams gegeneinander an. Jeder Redner hat 7 Minuten Redezeit, wobei in der ersten und letzten Minute keine Zwischenfragen von der Gegenseite erlaubt sind. In der Eröffnungsrede der PRO-Seite bzw. der Regierung wird ein konkreter Antrag formuliert und mit Argumenten begründet. Dadurch wird das oftmals frei formulierte Thema der Debatte präzisiert. Der erste Redner der Opposition eröffnet im Anschluss daran den Standpunkt der Gegenseite. Es folgen dann jeweils die beiden zweiten Redner der Regierung und Opposition. Sie widerlegen zum einen die gegnerischen Argumente und festigen zum anderen die eigene Position mit neuen Argumenten. Die beiden Schlussredner (zuerst die Opp., dann die Reg.!)  haben in ihren Reden die Aufgabe, das Gesagte zusammenzufassen, die eigentlichen Konfliktpunkte (Clash) aufzuzeigen und schließlich überzeugend darzustellen, weshalb die eigene Position die richtige ist. Sie dürfen keine neuen Argumente in die Debatte einbringen. Vor den beiden Schlussreden haben bis zu drei fraktionsfreie Redner das Wort. In ihren 3.5 Minuten Reden unterstützen sie wahlweise Regierung oder Opposition mit neuen Argumenten. Insbesondere humoristische Einlagen können hierbei die Debatte auflockern. Auf jeden Zwischenredner darf die jeweils „unterlegende Seite“ mit einer einminütigen Stegreifrede antworten. Während der ungeschützten Redezeit von 1 Minute zu Beginn und Ende einer jeden Rede können von der Gegenseite kurze Zwischenfragen (points of information) gestellt werden. Diese werden durch Aufstehen signalisiert. Es bleibt dem Redner überlassen, diese Fragen zuzulassen.

Das BPS-Format

Das BPS-Format

Im Gegensatz zu den beiden 3-er Teams bei der OPD treten bei BPS (British Parliamentary Style) vier 2-er Teams gegeneinander an. Die Besetzung und die Redereihenfolge (jeder Redner 7 Minuten) gehen aus dem Schema hervor. Die Rollenverteilung ist ähnlich wie bei der OPD. Zunächst hat die eröffnende Regierung einen Antrag zu formulieren und argumentativ zu stützen. Die eröffnende Opposition nimmt dazu Stellung und definiert ihren Standpunkt zu dem Antrag. Alle vier Teams bereiten sich unabhängig voneinander vor und werden auch einzeln bewertet. Die schließende Regierung hat die Pflicht, den Antrag der Regierung zu unterstützen und mindestens ein gewichtiges neues Argument in die Debatte einzubringen. Der Schlussredner stellt die in der Debatte aufgekommenen Standpunkte gegenüber und versucht, das Publikum von der Position der Regierung zu überzeugen. Die Aufgabe der schließenden Opposition versteht sich analog dazu. Der Reiz dieses Formats besteht darin, dass sich jedes Team in den Augen des Publikums (und der Juroren) profilieren muss, gleichzeitig den Vorrednern der eigenen Seite keinesfalls widersprechen darf. Bei diesem Format gibt es keine freien Redner.

Danke an den Debattierclub Stuttgart